10 Tipps für Overlander in Indien

Mit dem eigenen Auto durch Indien zu reisen, ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Da sind nicht nur der mörderische Verkehr, die Straßenbedingungen und die meist überkomplizierte Bürokratie, welche die Nerven oft gewaltig auf die Probe stellen, auch die Schlafplatzsuche sowie die Wasser- und Gasversorgung lassen sich in diesem Land nicht so einfach bewerkstelligen. Im Laufe der letzten Wochen und Monate haben wir zum Glück ein paar Tricks und Kniffe herausgefunden, die uns das Leben in „Incredible India“ ein wenig erleichtert haben.

1. Trinkwasserversorgung

Wer einmal indische Flüsse, Bäche oder Seen zu Gesicht bekommen hat, ist sich schnell darüber im Klaren, warum man das Leitungswasser auf gar keinen Fall trinken sollte. Obwohl wir einen UV-Filter an Bord haben, kommt uns daher kein Wasser aus einer indischen Leitung in den Tank. Glücklicherweise gibt es in vielen größeren und kleineren Städten große 20-Liter-Trinkwasserbehälter zu kaufen, mit denen man seinen Tank (unserer fasst 80 Liter) schnell per Hand auffüllen kann. Diese Wasserbehälter kosten durchschnittlich einen Euro und sind daher viel günstiger als Ein- oder Fünf-Liter-Flaschen. Außerdem werden sie wiederverwendet – man schont somit auch die Umwelt. Auf die Flaschen werden zwischen zwei und drei Euro Pfand berechnet. Es ist ratsam, sie sofort zurückzugeben, da es in jeder Gegend andere Marken gibt und die Händler die leeren Flaschen dann oft nicht zurücknehmen. Außerdem sollte man seinen Tank nach Möglichkeit sofort auffüllen, wenn man die großen Flaschen irgendwo entdeckt. Manchmal bekommt man sie überall, manchmal überhaupt nicht. Die großen Wasserflaschen werden meist von speziellen Händlern ausgeliefert. Man entdeckt sie daher häufig auf deren Lastwägen am Straßenrand. Wenn sie die Flaschen nicht verkaufen wollen, liegt das daran, dass sie Angst um ihr Leergut haben.  Daher sollte man erklären, dass man die leeren Flaschen sofort wieder zurückgibt.

2. Gasversorgung

Diese gestaltet sich leider besonders schwierig und ist mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden. In Indien sind jeder Familie bzw. jedem Restaurant eine bestimmte Anzahl von Gasflaschen zugeteilt, die dann z.B. einmal in der Woche durch eine neue Flasche ersetzt werden kann. Für Ausländer ist es daher faktisch unmöglich Gasflaschen zu kaufen, es sei denn, man stellt einen Antrag und hofft darauf, dass dieser irgendwann von den Behörden genehmigt wird. Wir haben daher immer bei Restaurants oder Privatpersonen gefragt, ob sie uns etwas Gas verkaufen und dieses dann per Hand in unsere kleinen Campinggasflaschen gefüllt. Bevor man dies tut, sollte man sich unbedingt über die genaue Vorgehensweise informieren, denn das Umfüllen ist nicht ganz ungefährlich! Hierzu benötigt man einen Adapter. Diesen haben wir uns in der Stadt Mapusa (Goa) besorgt. In Mapusa gibt es einen kleinen Gemischtwarenladen namens „M.R. Fernandez“. Die Mitarbeiter dort können weiterhelfen. In seltenen Fällen kann man seine Gasflaschen in kleinen Hinterhofgeschäften auffüllen lassen. Auch hierzu benötigt man besagten Adapter.

Ein Gasladen in Munnar

Ein Gasladen in Munnar

3. Der Tuktuk-Fahrer – dein Freund und Helfer

Ihr braucht Gas, Wasser eine Wäscherei oder einfach nur mal ein Bier und habt keine Lust stundenlang durch enge, überfüllte Gassen zu irren? Dann ist der TukTuk-Fahrer euer erster Ansprechpartner. Er kennt sich meist bestens in seiner Stadt aus und bringt euch für ein paar Euro stressfrei zu den entsprechenden Geschäften, die ihr ohne seine Hilfe wahrscheinlich sowieso nicht gefunden hättet. Manchmal waren die Fahrer sogar so nett und haben uns im jeweiligen Laden sogar noch günstigere Preise ausgehandelt.

TukTuk

4. Schlafplätze finden

Während man sich in der Türkei, dem Iran oder den Arabischen Emiraten einfach irgendwo schön ins Feld bzw. in die Wüste oder ans Meer stellen kann, sind halbwegs saubere und sichere Schlafplätze in Indien nicht leicht zu finden. Entweder scharen sich innerhalb von Minuten Horden von Männern um das Fahrzeug oder man findet nur vermüllte und laute Plätze am Straßenrand. Von Hotelparkplätzen wurden wir meistens verwiesen, selbst wenn diese leer waren und wir Geld geboten haben oder wir hätten nur für´s Parken den Preis eines Zimmers bezahlen müssen. Ist man auf der Durchreise, bieten sich die Indian Oil Tankstellen entlang der Hauptstraßen an. Diese sind zwar staubig und laut, dafür aber die ganze Nacht über bewacht. Ebenfalls praktisch waren Bus- und Taxiparkplätze innerhalb der Städte. Die Taxifahrer sind meist recht freundliche Zeitgenossen zwischen denen wir uns eigentlich immer bestens aufgehoben gefühlt haben. Diese Plätze findet man am besten über die Satelliten-Funktion bei Googlemaps. Auch über AirBnB findet man hilfsbereite Menschen, die einem gern für die ein oder andere Nacht und ein paar Rupien ihren (privaten) Parkplatz überlassen. Eine weitere große Hilfe sind die Stellplatz-Listen von Glaarkshouse und die App „iOverlander“. Hier haben auch wir unsere besten Stellplätze in Indien (und allen anderen Ländern) eingetragen.

Einer unserer wenigen ruhigen Schlafplätze in Indien

Einer unserer wenigen ruhigen Schlafplätze in Indien

5. Aufenthaltsgenehmigung für das eigene Fahrzeug

Jetzt wird´s bürokratisch: Unabhängig von der Dauer eures Visums darf euer Fahrzeug pro Jahr maximal 180 Tage in Indien bleiben. Selbst wenn ihr z.B. nach drei Monaten mit dem Auto nach Nepal ausreist, dürft ihr nach Wiedereinreise nur noch weitere drei Monate mit dem Fahrzeug in Indien bleiben. Diese Zollbestimmung wird bei Ein- und Ausreise genauestens kontrolliert und kann euch bei Zuwiderhandlung eine Stange Geld kosten. Da das Land jedoch bekanntermaßen sehr groß ist, sind in vielen Fällen 180 Tage schlicht zu wenig Zeit, um Indien richtig zu bereisen. Die Dokumente kann man jedoch recht unkompliziert beim Comissioner of Customs in Lucknow (Uttar Pradesh) verlängern lassen. Hierfür benötigt man Kopien des Carnet de Passage, der Reisepässe und der Indien-Visa. Die genaue Vorgehensweise sowie Kontaktadresse und Telefonnummern findet ihr bestens beschrieben hier. Die Beamten vor Ort sind sehr professionell und zuverlässig und senden euch das verlängerte Dokument gerne per E-Mail zu, so dass ihr nicht vor Ort mehrere Tage darauf warten müsst. Bei uns hat dies hervorragend funktioniert!

6. Quittungen der Mauth-Stationen aufheben

Ob euer Fahrzeug als Auto oder Truck durchgeht, ist oftmals Verhandlungssache. Wir hatten das Glück, dass wir gleich bei der ersten Mauthstation als Jeep (günstigste Fahrzeugklasse) eingeordnet wurden und haben uns den Rechnungsbeleg glücklicherweise aufgehoben, An vielen anderen Mauthstationen wollte man uns den Preis für einen 7,5-Tonner berechnen. Wir haben dann einfach den ersten Beleg vorgezeigt und konnten die Mitarbeiter vor Ort damit überzeugen. Selbst wenn ihr tatsächlich einen 7,5-Tonner fahrt, könnt ihr versuchen, die Mitarbeiter zu überreden, dass ihr ein „Tourist Car“ seid und müsst dadurch nur den Preis für ein Auto bezahlen. Hat man einmal den Beleg, kommt man damit in der jeweiligen Fahrzeugklasse durch ganz Indien.

7. Verkehr

Autofahren in Indien macht ungefähr so viel Spaß wie ein scharfes Chilli nach einer Magen-Darm-Spiegelung. Auf indischen Straßen ist zu jeder Zeit größte Aufmerksamkeit und höchste Konzentration gefordert. Verkehrsregeln sind quasi nicht existent. Es wird sowohl links, als auch rechts überholt, rote Ampeln sind optional. Besonders gefährlich wird es auf den indischen Autobahnen: Es ist nicht ungewöhnlich, dass einem dort auf allen Fahrspuren Autos, LKWs und TukTuks entgegen kommen, dass nachts ohne Licht gefahren wird oder dass es sich eine Kuh (die in der Regel ebenfalls nicht beleuchtet ist) mitten auf der Fahrbahn bequem gemacht hat. Inder benutzen beim Autofahren keine Spiegel. Diese sind meistens sogar eingeklappt, damit sie nicht so schnell beschädigt werden. Beim Überholen oder beim Einbiegen auf Straßen, verlassen sich die anderen Fahrer darauf, dass ihr sie seht und ausweicht. Anders als in Deutschland, gibt es zudem Straßen, welche die Autobahnen queren. Auch hier wird nicht auf den heranrollenden Verkehr geachtet, sondern einfach die Straße passiert. An solchen Stellen ist höchste Vorsicht und langsames Fahren oberste Priorität. Ein ebenfalls nerviger Verkehrsteilnehmer ist die indische Polizei. Diese errichtet ständig an den unmöglichsten Stellen Straßensperren, die urplötzlich auftauchen können und die Fahrbahn von drei auf eine Spur verengen. Da unser Auto so spannend ist, werden wir auch gerne mal von der Polizei aufgehalten, die dann unbedingt unseren Wohnkoffer kontrollieren und natürlich „Freundschaftsgeld“ kassieren will. Wir sind zwischenzeitlich dazu übergegangen, einfach das Gaspedal durchzutreten. Da die Polizisten meisten sowieso keine Einsatzwagen dabei haben oder einfach zu faul sind, hatte dies nie Konsequezen.

Gegenverkehr auf indischer Autobahn

Gegenverkehr auf indischer Autobahn

8. Sicherheit

Eines vorweg: Wir haben uns in den vier Monaten, die wir bisher in Indien waren, bis auf ein Mal noch nie ernsthaft bedroht oder unsicher gefühlt. Dennoch gab es vor allem im Straßenverkehr schon einige brenzlige Situationen. Daher lautet unsere oberste Sicherheitsregel niemals nachts zu fahren (siehe Punkt 7 Verkehr). Außerdem sollte man vor dem Schlafengehen möglichst so eingeparkt haben, dass man seinen Stellplatz zügig vorwärts und ohne zu rangieren wieder verlassen könnte. Sollte sich außerdem (vor allem im Norden Indiens) eine große Gruppe Männer um euch scharen, die sich ausschließlich für die weiblichen Mitglieder eurer Crew interessieren und nicht für euer Auto, ist es ebenfalls ratsam, schleunigst den Rückzug anzutreten.

Neugierige Pilger in Udupi

Neugierige, aber freundliche Pilger in Udupi

9. Was du heute kannst besorgen….

… das verschiebe tunlichst nicht auf morgen. Ob frisches Obst und Gemüse, Wasser, Gas oder Wäschereien verfügbar sind, kann sich von Kilometer zu Kilometer ändern. Man sollte daher immer versuchen, Alles gleich aufzufüllen, sobald man eine entsprechende Quelle entdeckt. Uns ist es einige Male passiert, dass wir erst einmal los gefahren sind, unsere Wasservorräte unterwegs auffüllen wollten und dann zwei Tage lang keine Kanister mehr gefunden haben. Oder man findet einen netten Stellplatz, hat aber kein Essen bzw. Trinkwasser mehr dabei und es gibt weit und breit keine Shops. Ärgerlich…. Aber man lernt ja bekanntlich nie aus.

10. Hilfreiche Informationsquellen

Die Facebook-Gruppe „Overland to Asia“ ist eine super Möglichkeit, sich mit anderen Travellern, die ebenfalls gerade mit dem eigenen Auto auf der Route unterwegs sind, auszutauschen und zu vernetzen. Außerdem befinden sich in der Gruppe viele Personen, die eine ähnliche Reise bereits gemacht haben und mit Ratschlägen und Tipps zur Seite stehen. Vor allem, wenn es Probleme mit dem Fahrzeug gibt und eine Werkstatt gesucht wird, ist diese Seite Gold wert, da sich hier eigentlich immer jemand findet, der weiter helfen kann. Ebenfalls interessant sind die Gruppen „Devils on Wheelz“ und „Ladakh Returns“, die von Lokals betrieben wird und regelmäßig über Straßenbedingungen etc. in Nordindien informiert.

2 Kommentare zu “10 Tipps für Overlander in Indien

  1. Astrid&Sven

    *Grins* Hat das mit den Belegen von anderen Maut-Stationen wirklich geklappt? Wir sind mit nem Truck (auch unter 7,5t) durch Indien gefahren, aber Maut-Belege haben nicht wirklich geholfen. Anderes Bundesland – andere Regelungen – wurde uns immer gesagt. Somit ging die Diskussion von Vorne los.

    Naja und das mit den Polizeikontrollen habt Ihr schon raus. Die Vorgehensweise – einfach weiterfahren – hilft auch in Laos – in Thailand würde ich damit vorsichtiger sein, aber hier hat die Polizei meist einfach den Passagier auf der rechten Seite im Auto nach der Fahrerlaubnis gefragt…irgendwann war es uns zu blöd, der Polizei zu erklären, dass der Fahrer links sitzt…und der Beifahrer hat den Führerschein gezeigt…hat gereicht.

    Wenn Ihr unsere Erfahrungen mit dem Verkehr in Indien und Nepal lesen wollt:

    http://rightbeyondthehorizon.com/strassenverkehr-in-indien-und-nepal/

    Als ich den Artikel geschrieben habe, sind wir mal kurzzeitig mit nem Mini-Bus gefahren.

    Viel Spass Euch noch

    Liebe Grüße

    Astrid&Sven

  2. Micha Autor des Beitrags

    Klar, hat das funktioniert, sonst hätten wir es ja nicht geschrieben ;-)) Wir haben immer Belege gesammelt und sind einfach hat geblieben. DasArgument „Tourist-Car“ zieht auch immer ganz gut. In Rajasthan war es in der Tat etwas schwieriger, als in den anderen Bundesstaaten. Dennoch sind wir schlussendlich immer als Car/Jeep/Van eingestuft worden.

    Euer Artikel zum Thema „Straßenverkehr in Indien und Nepal“ ist echt nett und wir können dieses Ich-will-noch-nicht-sterben-Gefühl total nachvollziehen. Aber hier in Bokhara ist der Verkehr zum Glück etwas entspannter. Das wird sich aber sicher Richtung Kathmandu wieder ändern. Leider…

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