Mercedes Benz Sprinter4x4 Hymer Grand Canyon S – Unser Erfahrungsbericht

Wir haben unseren Sprinter nun seit gut einem Jahr, sind damit etwa 17.000 km gefahren, und dachten uns, dass es mal an der Zeit fĂŒr einen kleinen Erfahrungsbericht wĂ€re. 

Wir haben unseren „Hymer Crand Canyon S“ beim „Freistaat“ in Sulzemoos bei MĂŒnchen gekauft. Erstzulassung 05/2018, 163 PS, 245er AT Reifen, zuschaltbares Allrad, Untersetzung, Automatikgetriebe, FahrradtrĂ€ger, in Anthrazit und viele Gimmicks, die einem das Fahrerleben erleichtern oder erschweren, je nach dem. 

Eines vorweg: Wer plant, sich ein Fahrzeug beim „Freistaat“ in Sulzemoos zu kaufen, sollte sich das gut ĂŒberlegen bzw. gut vorbereitet sein. Das VerkaufsgesprĂ€ch lief zwar sehr professionell, doch kaum hatten wir das Geld auf den Tresen gelegt, hat sich niemand mehr fĂŒr uns interessiert. Tagelang warteten wir oft trotz mehrfachem Nachfragen vergeblich auf RĂŒckrufe und Informationen und auch sonst lief dort einiges fĂŒr uns schief, weshalb die Auslieferung des Fahrzeugs sich um etwa drei Monate verzögerte und uns einiges an Nerven kostete. Daher können uns wollen wir dieses Unternehmen einfach nicht empfehlen. Wer ein Wohnmobil fĂŒr den Familienurlaub am Gardasee sucht, ist dort sicher gut aufgehoben. FĂŒr Menschen, die ihren Urlaub gern abseits befestigter Straßen und CampingplĂ€tze verbringen (und auch nach dem Kauf noch gut behandelt werden möchten), ist der „Freistaat“ unseres Erachtens definitiv nicht der richtige Ansprechpartner.

Mit der Werkstatt dort sieht es leider Ă€hnlich aus. Zwar ist der Werkstattleiter sehr kompetent, betreut die Kunden vorbildlich und versucht, alle MĂ€ngel schnell und professionell zu beheben. Selbiges kann man von den Mechanikern dort leider nicht behaupten. Wir empfehlen daher, das Auto vorher abzufotografieren und noch besser, wenn möglich, bei den Reparaturen dabei zu sein. 

Aber der Kauf ist ein eigenes Kapitel, das hier nicht Thema sein soll. 

Der eigentliche Grund fĂŒr diesen Erfahrungsbericht ist , dass der Sprinter einfach ein großartiges Fahrzeug ist. Jetzt mĂŒssen wir natĂŒrlich zugeben, dass wir nur unseren Schrödinger, G-Klasse mit Bimobilaufbau (Federn aus Indien, StoßdĂ€mpfer aus Nepal, Isolierung aus russischer Isomatte, maßlos ĂŒberladen, FahrgefĂŒhl wie eine schwangere Ente), gewohnt sind und, dass wir mit dem Sprinter bisher nur einen zweiwöchigen Offroad-Urlaub in den Westalpen hatten. Aber der Sprintervan fĂ€hrt sich unglaublich entspannt, ist nicht laut, Allrad und Untersetzung tun das, was sie tun sollen und das Fahrwerk ist Ă€ußerst angenehm. 

Mit dem Wohnraum sind wir grĂ¶ĂŸtenteils sehr zufrieden. Man darf nicht vergessen und muss sich bewusst sein, dass der Sprinter ein Kastenwagen und nicht so gerĂ€umig wie z.B. eine Bimobil-Kabine oder dergleichen ist. Da wir aber aufgrund unserer Hobbys, wie Skifahren, MTB und Klettern, auf nichts verzichten wollten, haben wir uns fĂŒr das Gesamtpaket entschieden, welches der Grand Canyon S von Hymer anbietet. Also Sitzmöglichkeit, Festbett, Heizung, Nasszelle, KĂŒche, KĂŒhlschrank, Allrad, usw. 

Einen netten Einblick gibts vom Explorer Magazin: 

Obwohl wir mit unsere Sprinter bisher sehr glĂŒcklich sind, wollen wir aber auch die Probleme, die wir bis jetzt hatten und entdeckt haben, anderen Sprinter-Besitzern oder Interessierten nicht vorenthalten:

Ein relativ bekanntes Problem ist die fehlende Versiegelung außen unter den Plastikabdeckungen. Wir haben unserem Sprinter eine komplette Hohlraumversiegelung und einen Unterbodenschutz verpassen lassen und das Problem mit den Abdeckungen ebenfalls gleich beheben lassen. Wichtig ist auch, dass die Plastikverschalungen bei den Stufen mit abgenommen werden, da an dieser Stelle gerne Wasser reinlĂ€uft. Des Weiteren sollte auch die Plastikverkleidung im Radkasten abgenommen werden, um alles gut mit dem Unterbodenschutz abdecken zu können. 

Hier ein kleines Video zu den Ă€ußeren Plastikabdeckungen:

Am Wasserhahn in der KĂŒche kommt leider fast kein Wasserdruck an. Es fließt also nur ein kleines Rinnsal aus dem Hahn. Eine ÜberprĂŒfung ergab, dass dies vom Werk aus so konstruiert ist. Warum auch immer. Um einen anstĂ€ndigen Wasserdruck in der KĂŒche zu erhalten, mĂŒsste man die Wasserpumpe auf eigene Kosten tauschen lassen. 

Die folgenden Punkte sind die mit Abstand Wichtigsten, die ihr vor dem Kauf unbedingt ĂŒberprĂŒfen solltet. Unserer Meinung nach handelt es sich hierbei nicht mehr um kleine Fehler, sondern um Ă€ußerst groben Pfusch, den man von einer Markenfirma wie Hymer eigentlich nicht erwarten möchte:

Blankes Metall

Wir haben bei den HeckflĂŒgeltĂŒren die Verkleidung abgenommen, da wir die DĂ€mmung ĂŒberprĂŒfen wollten. Dass keine vorhanden ist, hat uns nicht sonderlich ĂŒberrascht, da es im Winter krĂ€ftig kalt rein zog. Was uns aber ĂŒberrascht hat, war, dass dort, wo die Heckfenster nachtrĂ€glich eingebaut wurden, das Blech abgeschliffen und nicht weiter verarbeitet wurde. Es war also blank. Und da die Heckfenster nach einem Jahr schon undicht waren und schimmelten, was wir bei der Abnahme der Verkleidung zufĂ€llig entdeckt haben, hĂ€tte der Rost nicht lange auf sich warten lassen. Die TĂŒren wurden auf Garantie nachlackiert und die Fensterrahmen erneuert. Bilder sprechen hier mehr als tausend Worte:




Unbearbeitete Öffnung oberhalb des Grauwassertanks

Ich bin wahrlich kein guter Handwerker, geschweige denn ein Mechaniker. Aber wenn ich das sehe, muss selbst ich zugeben, dass es einfach nur purer Pfusch ist. Diese beiden SchlĂ€uche fĂŒhren in den Grauwassertank. Das Holz ist unbehandelt und es sind keine Dichtmasse oder Gummistopfen vorhanden. Die FolgeschĂ€den durch Dreck und Feuchtigkeit kann man sich selber ausmalen. 


Fehlende DĂ€mmung ĂŒber dem Fahrerbereich

Ich finde das passende Youtube Video dazu leider nicht mehr, aber folgendes Problem sollte man nicht ausser Acht lassen: Über dem Fahrerbereich, hinter dem elektrischen Kontrollpanel fehlt die DĂ€mmung. Dies kann zur Folge haben, dass sich dahinter Kondenswasser bildet, welches wiederum zum Kontrollpanel runterlaufen und es beschĂ€digen kann. Das Problem ist mittlerweile bei Hymer bekannt und wird auf Garantie behoben. Nur leider empfindet die Weltfirma es nicht als nötig, Grand Canyon S-Besitzer darĂŒber zu informieren.

Die letzten drei Punkte haben uns schwer enttĂ€uscht. Wir waren der Meinung, dass man fĂŒr diesen Batzen Geld ein perfektes Neufahrzeug erhĂ€lt. Offensichtlich waren wir zu naiv. Es ist einfach enttĂ€uschend, zu sehen, dass fĂŒr diesen Kaufpreis so wenig Liebe im Detail steckt. Man sieht, dass Hymer Geld, Zeit und Gewicht sparen musste. 

Das merkten wir unter anderem noch daran, dass der Innenausbau zwar auf den ersten Blick optisch schön daher kommt, bei genauerem Hinsehen jedoch auch den einen oder anderen Mangel aufweist. Die Holzplatte unter der Zweierbank brach gleich nach ein paar Wochen. Da hatte Hymer eine viel zu dĂŒnne Holzplatte verwendet. Und wir wiegen zusammen gerade mal 140 kg (Anmerkung von Micha: Ich bin lediglich fĂŒr 58 davon verantwortlich!). Die Einlegeböden in den HĂ€ngeschrĂ€nken hĂ€ngen mittlerweile schon durch. Selbes Problem. Entweder ersetzen lassen oder einfach rausnehmen. Braucht man ja nicht so oft. Nehmen nur Platz weg. 

Außerdem mĂŒssen wir stĂ€ndig die Schrauben der HĂ€ngeschrĂ€nke nachziehen, da diese sonst stĂ€ndig knarzen, was einem wirklich den letzten Nerv rauben kann. Vor allem bei lĂ€ngeren Fahrten abseits befestigter Straßen.

Unser Fazit

Wir lieben unser Auto und wĂŒrden es, ohne mit der Wimper zu zucken, wieder kaufen und weiterempfehlen. Allerdings wĂŒrden wir diesmal das Auto anschließend sofort zerlegen und sĂ€mtlichen Pfusch von Hymer postwendend beheben lassen. 

Wir wĂŒrden uns in Foren, auf Blogs etc mehr erkundigen. Im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer schlauer. Eindeutig ein Fehler unsererseits. Wir waren ĂŒber sechs Monate ohne Camper unterwegs, viel zu ungeduldig und wollten endlich wieder auf die bzw. neben die Strasse. 

Der Sprinter 4×4 Grand Canyon S ist natĂŒrlich kein GelĂ€ndewagen, der es mit einer G-Klasse, einem Landy oder einem Jeep aufnehmen kann. Dessen sollte man sich bewusst sein. Ausser man kauft sich die Iglhaut-Version. Dann kommt man der Sache schon ziemlich nahe. 

Aber fĂŒr 3,5 Tonnen, 5,93 Meter LĂ€nge und 2,90 Meter Höhe macht der Sprinter seine Sache wirklich gut. 

Damit der Sprinter4x4 fĂŒr unseren Marokko Urlaub im Herbst gut gerĂŒstet ist, sich generell mehr zum Freistehen im GelĂ€nde eignet und besser auf unsere Hobbys und BedĂŒrfnisse zugeschnitten ist, haben wir sehr viel beim Campingcenter in Forstinning machen lassen. Dazu gehören unter anderem ein DachgepĂ€cktrĂ€ger samt C-Schienen, Solar, mehr Scheinwerfer, eine Markise, ein Schnorchel, eine Leiter und eine Schwerlastschublade fĂŒr den Kofferraum.

Geplant ist noch eine Bergeöse fĂŒr hinten. UnerlĂ€sslich in der WĂŒste. Ebenso den Grauwasserablauf verkĂŒrzen, um den Böschungswinkel zu erhöhen und die Hinterachse höher legen. Vielleicht noch einen Unterbodenschutz. Aber das ĂŒberlegen wir uns noch. 

Aber dazu mehr Details im nĂ€chsten Bericht. 

Viele Fotos findet ihr schon auf Instagram unter

Kisstheworld_4x4_   und Sprintherapy

Wir freuen uns ĂŒber regen Austausch eurer Erfahrungen und sind offen fĂŒr VorschlĂ€ge und Verbesserungen! Wenn noch Fragen sind: immer raus damit! 

Weiterhin immer eine gute Fahrt und eine Handbreit unterm Diff! 😉

M+M

2 Kommentare zu “Mercedes Benz Sprinter4x4 Hymer Grand Canyon S – Unser Erfahrungsbericht

  1. Jean F. Schneider

    Danke fĂŒr die Infos! Ende Juli sollten wir unseren GCS 4×4 mit Hubdach bekommen. Werden sofort checken ob die selben Fehler auftreten. Wo habt ihr die Versiegelung machen lassen? Worauf sollen wir sonst noch Achern?
    Beste GrĂŒsse, Jean

    1. Micha

      Hallo Jens, die Versiegelung haben wir in MĂŒnchen bei AR-Autorostschutz machen lassen. Kosten lagen bei 750 Euro. Ansonsten gibt es aus unserer Sicht nichts mehr zu beachten, wir haben alles soweit in den Artikel geschrieben. Allerdings solltest du beim Hubdach nochmal ganz genau hinsehen, ob alles dicht bzw. ordentlich verklebt ist und ggf. auch einen Berieselungstest durchfĂŒhren.

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