Verschiffung von Bandar Abbas (Iran) nach Dubai (V.A.E.)

Eines vorab: Wer sein Fahrzeug von Bandar Abbas nach Dubai verschiffen möchte, sollte sich darauf einstellen, dass die Abwicklung Ewigkeiten in Anspruch nimmt und Einiges an Nerven kosten wird. In der Hoffnung anderen Reisenden den Prozess und die Recherchearbeit zumindest ein wenig zu erleichtern, haben wir unsere Erfahrungen hier zusammengefasst.

Schritt 1: Ticketkauf

Zuständig hierfür ist die Valfajr Shipping Co. in Bandar Abbas. Die Fähre legt immer Sonntags, Montags und Mittwoch in Richtung Sharjah ab. Es ist sinnvoll, den Abfahrtstermin mindestens eine Woche vor Ablauf des Iran-Visums zu legen, da das Schiff bei schlechter Witterung auch mal für mehrere Tage ausfallen kann. Läuft das Visum währenddessen ab, muss man sich nochmal wegen einer Verlängerung auf den ganzen Weg in Richtung Yazd oder Shiraz begeben.

Das Ticket für die Fähre kauft man am besten ein bis drei Tage vor der Abfahrt. Erhältlich ist es nicht am Hafen, sondern im Büro der Fährgesellschaft an folgender Adresse:

Hoopad Darya Shipping Building, Sourou area Pasdaran Blvd. , Jahangardy Bandar Abbas

Das Büro, in dem man die Tickets erhält, befindet sich in Zimmer 70, im zweiten Stock des Gebäudes. Mitzubringen sind:

  • Reisepässe
  • Kopien der Reisepässe
  • Carnet de Passage

Es ist ebenfalls hilfreich vorab Fotos vom Fahrzeug zu machen, damit die Beamten vor Ort den Preis berechnen können. Die Rechnung sollte man am besten in Rial begleichen, da dies günstiger ausfällt. Wir hatten Dollar dabei und mussten dann extra nochmal los zur nächsten Bank.

Gezahlt haben wir:

  • 2,7 Millionen Rial (ca. 77 €) pro Person für das Passagierticket
  • 22,7 Millionen Rial  (ca. 650 €) für das Fahrzeug

Achtung: Auf keinen Fall die Hafengebühren für Dubai schon hier bezahlen! Die Beamten vor Ort behaupten zwar, dass dies günstiger sei, doch sowohl wir als auch alle anderen Overlander mussten diese Gebühren von ca 220€ dann nochmals in Dubai zahlen – trotz Quittung! Für uns ergab sich somit ein Gesamtpreis von rund 1.000€.

Schritt 2: Hafenabwicklung

Am Tag der Abreise muss man bereits um neun Uhr morgens am Hafen sein, obwohl das Schiff erst gegen 21.30 Uhr ablegen soll. Der Grund: Die Abwicklung der Papiere am Hafen nimmt ca. vier bis sechs Stunden in Anspruch. Am besten nimmt man sich einen Agenten vor Ort, da der Prozess absolut undurchschaubar ist.

Unser Tipp: Ruhig bleiben, tief durchatmen und einfach alles geschehen lassen.

Reist man mit mehreren Fahrzeugen und teilt sich einen Agenten, bitte unbedingt penibelst darauf achten, dass dieser die Dokumente nicht durcheinander bringt. Der Projektmanager in mir empfiehlt an dieser Stelle ein farblich gekennzeichnete Mappen und Papiere. Bitte unbedingt darauf achten, dass das Carnet de Passage für die Ausfuhr richtig ausgefüllt und abgestempelt wird.

Hat man den Abwicklungsprozess erfolgreich durchlaufen, heißt es Warten bis zum Check-In um 18 Uhr. Wir haben uns die Zeit bis dahin noch bei Freunden vertrieben, die anderen Reisenden haben es vorgezogen, am Hafen zu warten, was wir nicht empfehlen würden. Man wartet wirklich sehr, sehr lange. Nicht nur für Reisende mit Kindern empfiehlt es sich, Bücher und Spiele ins Handgepäck zu packen.

Schritt 3: Check-In und Überfahrt

Der Check-In dauert ca. eine Stunde. Vor der Sicherheitskontrolle muss man seinen Reisepass abgeben und bekommt diesen auch erstmal nicht zurück, was für uns sehr befremdlich war. Erst nachdem alle Passagiere eingecheckt haben, wird man von den Beamten aufgerufen und bekommt seinen Pass zurück.

Danach heißt es erstmal wieder ca. drei Stunden abwarten, bis man schließlich sein Fahrzeug selbst auf die Fähren fahren kann. Diese legt, soweit wir in Erfahrung bringen konnten, eigentlich nie pünktlich ab. Unser Kapitän kam mit weiteren zwei Stunden Verspätung an Board.

Achtung: Fahrzeuge mit niedriger Bodenfreiheit hatten beim Befahren der Fähre massive Probleme, da die Rampe extrem steil ist.

Während der gesamten Zeit auf dem Schiff kann man uneingeschränkt zu seinem Auto und auch darin übernachten. Im Frachtraum ist es allerdings sehr laut und stickig. Auch das Gas muss nicht abgedreht werden.

Unser Tipp: Unbedingt vorher noch Abendessen, Frühstück und ein paar Snacks einkaufen. Das Hühnchen, das uns serviert wurde, war furchtbar trocken und das Frühstück haben wir verschlafen. Den Hafen von Sharjah wird man auch nicht vor dem Nachmittag verlassen.

Schritt 4: Abwicklung in Dubai (Sharjah)

In Dubai wird einem automatisch ein Agent zugewiesen, den man auch bezahlen muss. Von diesem bekommt man einen Laufzettel, der auflistet, welche Schritte zu absolvieren sind. Wer glaubt, dass es deswegen in Dubai schneller zugeht der irrt. Auch dort haben wir gut vier Stunden für diverse Stempel, Röntgen und Zollabfertigung benötigt. Die Hafenhelfer vor Ort sind jedoch sehr freundlich und weisen einem den Weg. Auch hier bitte wieder darauf achten, dass das Carnet ordnungsgemäß ausgefüllt und abgestempelt wird.

In Dubai haben wir zusätzlich für die Abwicklung nochmals rund 220 Euro bezahlt, so dass sich für unsere Gewichts- und Größenklasse (4000kg), wie erwähnt, ein Gesamtpreis etwas mehr als 1.000 Euro für die komplette Verschiffung ergibt.

Alle Dokumente, die man während des gesamten Verschiffungsprozesses ausgehändigt bekommt, sollte man unbedingt aufbewahren. Diese sind vor allem für eine weitere Verschiffung z.B. nach Mumbai von Bedeutung.

Schritt 5: Nach Dubai fahren und sich erstmal ein Bier gönnen

Auf dem Hafengelände gibt es Duty Free Shops, in denen man Alkohol kaufen kann. Nach ein paar Wochen Iran und den letzten 24 Stunden Verschiffungs-Chaos, sicher eine willkommene Belohnung für die Strapazen. Je nach Aufenthaltsdauer und Bierdurst solle man nicht zu sparsam einkaufen. Die einzige Möglichkeit für Nachschub zu sorgen, ist das Baracuda Wine Shop 70 Kilometer außerhalb von Dubai. Ansonsten bekommt man Alkohol nicht im Supermarkt sondern nur für teuer Geld in lizensierten Hotels und Bars. Im Emirat Sharjah ist Alkohol strengstens verboten! Seine Einkäufe im Duty Free Shop sollte man daher möglichst unsichtbar verstauen.

Wer nach dem ganzen Trubel keine Lust hat, sich auf Stellplatzssuche in Dubai zu begeben, dem seien folgende Strände empfohlen:

  • Kite Beach (Toiletten, Duschen und Frischwasser vorhanden)
  • Auf dem Strand links neben dem Parkplatz hinter der Sunset Mall vor den Sheikh Hamdan Villas(Toiletten, Duschen und Frischwasser vorhanden)
  • Soufouh Beach (keine Facilities)

6 Kommentare zu “Verschiffung von Bandar Abbas (Iran) nach Dubai (V.A.E.)

  1. Mathias Kluge

    Hallo,
    Wisst ihr ob man den Hund mit an Bord nehmen darf?
    Welche Papiere für den Hund?
    Freundliche Grüße Mathias

  2. Micha Autor des Beitrags

    Hallo Matthias,

    wir haben leider keinen Hund, daher können wir dir hierzu keine brauchbaren Infos geben.
    Viele Grüße
    Micha

  3. Dieter Seitzer

    15.09.2018
    Es hat sich einiges getan! Man verliert keine Nerven, nach einem Jahr unterwegs ist man schließlich einiges gewohnt.
    In Bandar Abbas einfach gegen 09.00 zum Hafen fahren, bitte zum Richtigen, ganz im Norden.
    Kaum ist man angekommen wird man von einem Agenten am ersten Schalter angesprochen und weiterbetreut. Das ist auch äusserst hilfreich und wir konnten zurück in die Stadt ( uns brachte der Agent persönlich mit seinem Auto ins Zentrum und holte uns auch dort wieder ab). Am Hafen benötigten wir morgens gerade mal ein Stündchen. Passagierabwicklung startet erst gegen 20.00 und geht geregelt ab, wir mussten den Pass nirgends abgeben. Carnet und ale Dokumente waren ordentlich ausgefüllt. Wir bezahlten nur die HÄLFTE fürs Auto und nur 60€ pro Person (bis 3 Tonnen), Ticket gibt es am Hafen, die Fährgesellschaft hat einen Schalter. Vorab nach Preis erkundigen und nicht jeden Fantasiepreis bezahlen! Dass man eine Woche vor Ablauf des Visums schon im wenig attraktiven Bandar Abbas sein muss ist deutlichst übertrieben! Man kann das Visum auch in Bandar Abbas verlängern, rasch und einfach, auch billig.
    Die Fähre ist uralt fährt dreimal die Woche, wir führen am Samstag. Das Personal ist freundlich, wir führen als letzte aufs Schiff damit wir als erste runter dürften. Anstatt 21.00 war dann 01.30 Abfahrt. Abendessen und Frühstück SEHR EINFACH.
    Überfahrt in verstellbarem Sessel und wir konnten quer auf vier Sesseln schlafen, wenn mal Kindergeschrei und Fernseher ruhig waren.
    In Schardscha benötigten wir keinen Agenten. Der Herr an der ersten Anlaufstelle, gab uns einen Laufzettel, absolut korrekt und alle Anlaufstellen sehr freundliches Personal. Wir benötigten insgesamt auch fast 3 Stunden. Aber auch hier bezahlten wir nur die HÄLFTE!
    Insgesamt: die Überfahrt mit Abwicklung ist eine überwiegend stressfreie Angelegenheit. Man muss jedoch zwei Tage einkalkulieren und sich nicht bange machen lassen und nicht übers Ohr hauen lassen!

  4. Dieter Seitzer

    Vorab, es ist vieles einfacher geworden und erstaunlicherweise auch billiger! Wir haben mit zwei SUV (Mercedes G und Nissan Patrol) von Bandar Abbas nach Sharjha am 15.9.2018 übergesetzt. Die Personentickets haben wir schon zwei Wochen vorher in Shiraz gekauft (Reisebüro im Homa Hotel, Deutsch sprechende Mitarbeiterin, Englisch auch perfekt), pro Person 60 €. Die Tickets für die Fahrzeuge gibt es nur am Hafen in Bandar Abbas (Valfajr hat ein kleines Büro dort). Wir bekamen jedoch die Telefonnummer eines Hafenagenten, der die Abwicklung für uns übernimmt. Vorteil, auf den Personentickets steht das genaue Abfahrtsdatum. Zur Sicherheit kann noch zwei Tage vorab der Agent angerufen werden ob es beim Auslaufdatum bleibt, gleichzeitig ist es eine gute Kontrolle ob es den überhaupt gibt. Bei uns hat er sofort abgenommen, sprach Englisch und hat Abfahrtsdatum bestätigt. 09.00 Uhr sollten wir morgens am Hafen vor dem Hauptabfertigungsgebäude sein. Waren wir, wurden dann in ein Nebengebäude geschickt wo der Agent schon wartete, besser zwei, warteten. Diese beiden sprachen gut ausreichend Englisch und Russisch. Ab diesem Moment ging alles reibungslos! Wir mussten nur noch die Autos in den Hafen fahren, der Rest übernahmen die beiden Agenten, für insgesamt 500 €, wohlbemerkt insgesamt, keine weiteren Gebühren. Jetzt kommt noch der Sonderservice: Nach ca einer Stunde war für uns alles erledigt, einer der Agenten fuhr uns in die Stadt, wo wir den Tag verbringen konnten und er holte uns am späten Nachmittag pünktlich am vereinbarten Ort ab. Abends war alles bestens schon erledigt. Wir warteten auf die Passagierabfertigung, ging alles zügig und geordnet. Unsere beiden Autos wurden als letzte verladen, damit wir als erste in Shardjah von Bord konnten. Die Fähre fuhr mit 3 Stunden Verspätung los, wir waren bis zur Beladung auf dem Schiff, schon das „leckere“ Hühnchen mit Reis gegessen und wir wurden aufgerufen, als wir als letzte die Autos an Bord fahren durften.
    Überfahrt war ruhig, Delphine haben wir gesehen, mit dem Schlaf ist es nicht so toll, drinnen zu kalt, auf Deck zu heiss.
    Ankunft in Shardjah, von Bord, dann zur Passkontrolle. Personen mit nicht-iranischem oder arabischem Pass wurden bevorzugt abgefertigt. Die Fahrer fuhren wieder zur Anlegestelle zurück, dort ist ein kleines Häuschen mit einem freundlichen Herrn, der einem einen Laufzettel gibt und wenn man sich daran hält, geht es freundlichst und komplikationslos weiter. Keinem Agenten auf den Leim gehen, braucht man definitiv nicht! Wir hatten nur an einer Stelle etwas Pech, ein Praktikant wurde eingearbeitet und es dauerte, dauerte. Aber nach 4 Stunden war alles komplikationslos erledigt, ca 200 € alles inklusive pro Fahrzeug. Nebenbemerkung: Unsere Frage nach KFZ-Versicherung konnte niemand beantworten, unseren Führerschein wollte niemand sehen, die ausländischen Autonummern waren absolut OK, das Carnet de Passage wurde in Bandar Abbas und Shardjah professionell und richtig ausgefüllt
    Fazit: kein Stress, Überfahrt Bandar Abbas mit eigenem PKW kann empfohlen werden. Alle am Hafen arbeitenden waren super freundlich!

    1. Micha Autor des Beitrags

      Ja mit Agenten ist es natürlich um einiges unstressiger. Die gab es auch schon, als wir verschifft haben. Wir wollten uns allerdings das Geld sparen und haben das Verschiffen selbst organisiert bzw. mit Unterstützung eines iranischen Freundes.

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