Unsere Griechische Odyssee

Wir freuen uns auf ein paar entspannte Tage in Griechenland. Doch da haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Während ich hinter Schrödingers Steuer die breiten, leeren griechischen Autobahnen genieße, rückt die Tanknadel bedrohlich nahe in Richtung Reserve. Weit und breit ist keine Tankstelle in Sicht. Das gibts doch gar nicht! Endlich weist uns ein Schild von der Autobahn in Richtung lang ersehnte Zapfsäule. Doch Fehlanzeige! An der verwaisten Tankstelle dösen ein paar wilde Hunde in der Sonne. Fehlen nur noch eine Steppenhexe, im Hintergrund das Lied vom Tod und das Bild wäre perfekt.

Gefühlte hundert Kilometer weiter endlich erneut ein Schild Richtung Tankstelle. Diesmal haben wir sogar zwei zur Auswahl. Glücklich rollen wir bei der Ersten vor die Zapfsäule. Doch leider nimmt der Besitzer keine Kreditkarte und wir haben kein Bargeld bei uns. Gleiches Problem erwartet uns bei der Nächsten. Seit der Schuldenkrise ist bei den Griechen wohl nur noch Bares wirklich Wahres. Langsam werden wir nervös. Denn neben Tankstellen scheinen auch Geldautomaten in Griechenland eine Rarität zu sein. Zum Glück finden wir dann doch noch einen netten Tankwart, der uns mit Kreditkarte bezahlen lässt.

Doch das nächste Problem lässt nicht lange auf sich warten: Auch die Mautstationen hier nehmen nur Bargeld. An jeder Station müssen wir daher ab sofort quer über die ganze Autobahn laufen und in einem Büro einen Zettel ausfüllen lassen, der unsere Schulden beim Griechischen Staat auflistet.

Nach sechs Stunden Fahrt erreichen wir schließlich Thessaloniki. Wir finden nach langer Suche im dichten Verkehr endlich einen akzeptablen Stellplatz. Leider finden wir auch hier keinen Geldautomaten und so wandern wir eine Stunde lang mit knurrenden Mägen von Restaurant zu Restaurant, bis wir zu guter Letzt doch noch eines finden, in dem wir mit Karte bezahlen können.

Da uns nach der anstrengenden Fahrt nicht der Sinn nach Stadtleben steht, lassen wir Thessaloniki am nächsten Tag zügig hinter uns. Wir brauchen dringend ein oder zwei Tage Reiseferien. IMG_3880Am Potamos Beach bei Epanomi verbringen wir zwei wunderbar entspannte Tage. Die Strandcafes haben alle bereits geschlossen und so teilen wir uns den schönen Sandstrand fast ausschließlich mit ein paar wilden Hunden. Das Wasser ist warm, die Sonne scheint und wir genießen das Leben. Während des Frühstücks können wir sogar ein paar Delfine beobachten. Ein Traum! Außerdem nutzen wir die Zeit, unseren Campingbackofen endlich auszuprobieren und backen unser erstes selbstgemachtes Brot. Noch nicht ganz perfekt aber auf jeden Fall sehr, sehr lecker!IMG_5271

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es jedoch: Wir müssen abends zeitig ins Bett, denn sobald unser Solarpanel keine Sonne mehr abbekommt, geht uns im Wohnbereich ziemlich schnell der Strom aus. Der Grund: Die Batterie wird während der Fahrt leider nicht geladen. Wegen des traumhaften Sommers in Deutschland, ist uns dieser Fehler nur leider bisher nicht aufgefallen.

Gut erholt setzen wir unseren Weg Richtung Türkei fort. In der Hafenstadt Kavala wollen wir einen Zwischenstopp für eine Nacht einlegen. Ein Cafe direkt am Wasser bietet gutes kostenloses WLAN und wir nutzen die Gelegenheit, um mit Familie und Freunden zu Skypen. IMG_5284Am nächsten Tag will Michi nur noch kurz einige Ersatzteile besorgen, um den Fehler mit unserer Batterie zu beheben und dann soll´s auch gleich weiter gehen, Doch da ist sie wieder – Die Sache mit der Rechnung und dem Wirt.

Fast zwei Stunden laufen wir kreuz und quer durch Kavala, um ein paar Kabel, Schalter und eine Sicherung zu besorgen, denn: Es gibt hier keine großen Elektromärkte, wie wir sie kennen, sondern lauter kleine Geschäfte, die entweder keine oder nur wenige der Teile, die wir brauchen, verkaufen. Die Verkäufer sind überall äußerst nett und hilfsbereit. Leider spricht kaum jemand Englisch und so fragen wir uns mit Screenshots von Google Translate durch. Die führt in jedem Geschäft zu großer Erheiterung, verfehlt aber nicht seinen Zweck. IMG_3284Weitere vier Stunden brauchen wir, um zwei dicke Kabel vom Motorraum quer durch das Führerhaus und in den Wohnkoffer zu ziehen sowie einen Schalter und eine Sicherung einzubauen. Ziemlich skeptisch beobachte ich meinen Mann dabei, wie er sich an den Kontakten der Batterien zu schaffen macht. Man muss dazu sagen, dass er vor nicht allzu langer Zeit noch nicht mal einen Turbolader von einer Lichtmaschine unterscheiden konnte. Hoffentlich jagt er uns nicht in die Luft! Zum Glück geht alles gut. An dieser Stelle ein dickes Danke an Michael M. aus S. für die gute Schule und die kompetente Ferndiagnose.

 

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Michi hat zwar nach der Aktion eine böse Blase am Finger und ich Karosseriedichtmasse in den Haaren, doch es hätte schlimmer kommen können. Unsere persönliche Odyssee durch Griechenland findet damit ein glückliches Ende und wir können unseren Weg nach Asien am nächsten Tag endlich fortsetzen. Ab jetzt sogar mit Strom am Abend.

11 Antworten auf „Unsere Griechische Odyssee“

  1. Hey ihr Asphalthungrigen,
    was war es denn? Hast Du das Relais gebrückt!?!
    Dann nicht vergessen immer schön den Schalter umzulegen wenn Du wieder losfährst!
    Dr. Klugschiss grüßt und wünscht weiterhin gute Fahrt!

  2. Ne so wie es aussieht, war es gar nich vorgesehen, die Batterie über die Lichtmaschine zu laden. On- Off-Schalter ist eingebaut inkl. 80 Amper Sicherung. Grüße in den hohen Norden! Lg Michi

  3. Hallo Michaela, ist ja total spannend, was Ihr beide erlebt und so eifrig postet. Verfolge Eure Tour aufmerksam und bin begeistert von Euren spannenden Berichten! … auch wenn Du mir hier in Muc in den Sitzungen sehr fehlst. Lasst es Euch weiter gut ergehen. Schöne Grüße Bernd

  4. Hallo ihr Weltenbummler,
    es ist ganz großartig und macht viel Spaß Eure Berichte zu lesen, vorallem wenn man die Zeit grad so schön dazu hat, wie ich :-)!!
    Macht weiter so und freue mich auf den nächsten Bericht!!!
    Drück Euch!!!

  5. Alle Unbillen haben auch ihr Gutes. Man lernt dazu.
    Die Erfahrungen sind es welche einem helfen.
    Am Ende der Reise seid Ihr Profis.
    Die verbrannten Finger heilen wieder und der Kleber
    verschwindet auch wieder aus den Haaren.
    Klebende Grüße von mir.

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